Der plötzliche Wegfall eines CEO – sei es durch gesundheitliche Probleme, einen unerwarteten Rücktritt oder eine notwendige sofortige Abberufung durch das Gremium – stellt für jedes Unternehmen ein existenzielles Risiko dar. In der Sekunde, in der die Nachricht die Führungsebene erreicht, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Märkte reagieren nervös, Mitarbeiter sind verunsichert und Kreditgeber fordern sofortige Klarheit.
In dieser Situation ist der Aufsichtsrat oder die Inhaberschaft nicht mehr nur Kontrollorgan, sondern aktiver Krisenmanager. Dieser Leitfaden dient als operative Handlungsanleitung, um das Unternehmen in der Phase der Vakanz zu stabilisieren und die Weichen für eine erfolgreiche Neubesetzung zu stellen.
Sobald die Vakanz feststeht, muss der Aufsichtsrat die Informationskontrolle übernehmen. Nichts ist schädlicher als Gerüchte, die über den Flur oder – noch schlimmer – über die Presse an Stakeholder gelangen.
Interne Stabilisierung: Die erste Botschaft muss an die zweite Führungsebene (C-Level/Bereichsleiter) gehen. Hier muss klar kommuniziert werden, wer ab sofort welche Entscheidungsbefugnisse hat.
Externe Stakeholder: Banken und Hauptkunden benötigen innerhalb von Stunden eine persönliche Information. Es geht hierbei weniger um Details des Ausscheidens, sondern um die Zusicherung der prozessualen Kontinuität.
[ ] Ad-hoc-Sitzung einberufen: Formelle Feststellung der Vakanz.
[ ] Interim-Entscheidung: Interner Stellvertreter oder sofortige Suche nach externem Interim-Profi?
[ ] Stakeholder-Liste: Wer muss heute noch informiert werden? (Banken, Key Accounts, Presse).
[ ] Handlungsvollmachten: Sicherstellen, dass Bankvollmachten und Unterschriftenregelungen funktionieren.
[ ] Briefing Interim-Manager: Fokus auf Cash-Flow und operative Stabilität legen.
In vielen Fällen ist die Versuchung groß, die Aufgaben interimistisch auf andere Vorstandsmitglieder zu verteilen. Doch Vorsicht: Diese Personen sind meist bereits zu 100 % ausgelastet. Eine Doppelbelastung führt oft zu Fehlern in beiden Ressorts. Hier tritt die Option des externen Interim CEO auf den Plan.
Ein externer Interim Manager bringt zwei Dinge mit, die internen Kandidaten oft fehlen: Erfahrung in Sondersituationen und absolute Objektivität. Während ein interner Kandidat oft noch in politischen Geflechten denkt, agiert der Interim-Profi ausschließlich ergebnisorientiert. Er hat keine Ambitionen auf den dauerhaften Posten und kann daher radikale Ehrlichkeit an den Aufsichtsrat zurückspiegeln.
Sobald ein Interim CEO (oder ein kommissarischer Leiter) installiert ist, muss eine strukturierte Bestandsaufnahme erfolgen. Ein professioneller Interim Manager arbeitet hierbei nach einem bewährten Schema:
Die erste Frage muss immer lauten: "Wie lange reicht das Geld?" Ein Interim Manager muss sofortigen Zugriff auf die Cash-Flow-Planung haben. In Krisenzeiten ist Cash nicht nur "King", sondern die Lebensversicherung des Unternehmens.
Welche Großprojekte laufen aktuell? Wo stehen Unterschriften unter Verträgen an, die das Unternehmen langfristig binden? Ein Interim CEO stoppt im Zweifelsfall komplexe Prozesse, um sie einer schnellen Prüfung zu unterziehen.
Der Interim CEO muss die "Tour der Zuversicht" antreten. Gespräche mit den Top-10-Kunden und den Konsortialbanken sind Pflicht, um das Risiko von Kreditkündigungen oder Abwanderungen zu minimieren.
Ein häufiger Fehler bei der Überbrückung von Vakanzen ist die Flucht in die Analyse. Man beauftragt Berater, erstellt Strategiepapiere, aber am Boden ändert sich nichts. Ein Interim CEO unterscheidet sich fundamental von einem Berater durch seine Umsetzungsverantwortung (Ownership).
Frage: Wie schnell muss ein Interim CEO vor Ort sein? Antwort: In der Regel innerhalb von 48 bis 72 Stunden. Ein Profi benötigt keine lange Einarbeitungszeit, sondern startet sofort mit der operativen Sicherung.
Frage: Welche Qualitäten sollte ein Interim CEO für den Mittelstand haben? Antwort: Entscheidend ist weniger die spezifische Branchenerfahrung als vielmehr eine tiefgreifende Krisen- und Sondersituations-Expertise. Ein Interim CEO muss die Fähigkeit besitzen, vom ersten Tag an Leadership zu verkörpern und in einem unsicheren Umfeld sofortige Handlungsfähigkeit herzustellen. Er muss sowohl auf Augenhöhe mit dem Aufsichtsrat strategisch agieren als auch operativ „griffig“ sein, um das Vertrauen der Belegschaft und der Märkte unmittelbar zurückzugewinnen.
Frage: Wie lange dauert ein typisches Interim-Mandat bei einer CEO-Vakanz? Antwort: Meist zwischen 6 und 12 Monaten – exakt die Zeit, die ein seriöser Search-Prozess für eine dauerhafte Neubesetzung benötigt.
Einer der wertvollsten Beiträge eines Interim CEO ist die Aufarbeitung interner Blockaden. Da er das Unternehmen nach wenigen Monaten wieder verlässt, muss er auf keine Befindlichkeiten Rücksicht nehmen.
Ein Interim-Projekt ist erst dann erfolgreich abgeschlossen, wenn der "neue" CEO übernimmt. Ein professioneller Interim Manager definiert seinen Erfolg über die Qualität der Übergabe.
Wissensmanagement: Alle während der Interimszeit getroffenen Entscheidungen und neu eingeführten Prozesse müssen lückenlos dokumentiert sein.
Einarbeitung des Nachfolgers: Der Interim CEO fungiert oft in den ersten Wochen als Mentor für den neuen Stelleninhaber.
Ein CEO-Ausfall ist eine Ausnahmesituation, aber kein Grund zur Panik. Wer als Aufsichtsrat strukturiert vorgeht, die operative Führung schnell durch externe Expertise absichert und die Zeit der Vakanz für eine objektive Bestandsaufnahme nutzt, geht aus der Krise gestärkt hervor.
Die Investition in einen Interim CEO ist dabei keine zusätzliche Kostenposition, sondern eine Versicherung gegen den Wertverlust des Unternehmens. In einer Phase, in der jeder Tag ohne Führung die Substanz gefährdet, ist Handeln die einzige Option.